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Die Straßenbahn Essen ist ein Straßenbahnnetz der Stadt Essen im Ruhrgebiet, welches auch heute noch betrieben wird. Das Straßenbahnnetz ist an dem der Netze der Straßenbahnen Mülheim und Gelsenkirchen angebunden da alle drei Netze auf Meterspur betrieben werden.

Geschichte Bearbeiten

Von der Gründung bis zum zweiten WeltkriegBearbeiten

Die Geschichte der Straßenbahn Essen beginnt im Jahr 1878, als man den Bau einer Pferdebahn beantragt und dies in den Jahren 1878 und 1879 geprüft wurde. Bis zum Jahr 1889 bewarben sich diverse Firmen zur Errichtung einer Pferdebahn, Siemens warb gar mit einer elektrischen Straßenbahn. Fast alle Bewerber wurden mit teils fadenscheinigen Absagen konfrontiert. Dennoch kam es am 30. September 1889 zur Vergabe einer Konzession an Hermann Bachstein, der sich für ungefähr 60 errichtete Straßenbahnnetze verantwortlich zeigte, sowie das Konsortium Bank für Handel und Industrie. Die Konzession galt zunächst für eine Dampfstraßenbahn zwischen der noch kleinen Kreisstadt Essen und dem ehemals eigenständigen Altenessen sowie zwischen den Stadtteilen Borbeck und Rüttenscheid. Der Bau allerdings verzögerte sich auf zwei Jahre da das Konsortium die aufkommende Technik der elektrischen Straßenbahnen nutzen wollte. Die ersten Eröffnungen waren wie folgt:

Datum Strecke
23. August 1893 BME Bahnhof – Altenessen
23. August 1893 Altendorf – Borbeck
25. Januar 1894 Altenessen – Horst, Zeche Nordstern
27. April 1894 BME Bahnhof – Rüttenscheid

Am 11. Februar 1895 wurde die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft AG (kurz: SEG) in Darmstadt gegründet, die dank Herrmann Bachstein auch die Essener Starßenbahn betrieb. Nach der Eingliederung der Essener Straßenbahn begann die SEG das Straßenbahnnetz der Region zügig zu erweitern:

Eröffnungsdatum Strecke
31. Januar 1897 von Karnap zur Gemeindegrenze von Gelsenkirchen-Horst (Provinzgrenze Westphalen)
8. Mai 1897 vom Alfredusbad nach Bredeney (Ruhrstein)
5. April 1898 nach Stoppenberg
18. Juni 1898 von Segeroth über den Limbecker und den Viehofer Platz zur Steeler Chaussee
5. August 1898 die Verlängerung der Strecke in Gelsenkirchen-Horst
2. September 1898 von Stoppenberg über Schonnebeck nach Rotthausen und vom Limbecker Platz nach Frohnhausen
1. November 1898 von der Steeler Chaussee nach Steele
20. Dezember 1898 von Schonnebeck nach Katernberg
21. Dezember 1898 von Borbeck über Dellwig nach Oberhausen
21. Februar 1899 von Borbeck nach Bottrop
19. Juli 1909 von Nordstern nach Karnap

Bis zur Jahrhundertwende betrieg die SEG in Essen und Nachbargemeinden neun Straßenbahnlinien. Aufgrund des schlechten Verhältnisses zwischen der Stadt und der SEG kam es in den folgenden Jahren nur zögerlich zum zweigleisigen Ausbau etlicher Streckenabschnitte. Gleichzeitig führte die Stadt Verhandlungen mit der SEG zur Übernahme des Straßenbahnnetzes. In diese Verhandlungen mischten sich zudem die Großindustriellen Hugo Stinnes und August Thyssen ein, die ebenfalls Interesse am Erwerb des Unternehmens bekundeten. Ende 1907 betrieb die SEG insgesamt 10 Linien. Hugo Stinnes übernahm 1908 das Netz der SEG nachdem Herrmann Bachstein am 4. Februar verstarb. Alle übrigen Geschäfte übernahm sein Sohn Herrmann Bachstein junior.

Im Jahre 1909 wurde die Rheinisch-Westfälische Bahn-GmbH (RWB) gegründet, die zahlreiche Straßenbahnbetriebe des Ruhrgebietes zusammenzufasste und an der die Stadt Essen mit 48 %, der Kreis Essen mit 27 % sowie das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk (RWE) mit 25 % beteiligt waren. Die RWB übernahm als Holdinggesellschaft die SEG-Aktienmehrheit und Hugo Stinnes wurde bis zu seinem Tod 1924 Aufsichtsratsvorsitzer der SEG. Zwischen dem 1. Juli 1912 und dem 1. August 1932 folgte ein wahrer Bauboom. Es wurden insgesamt 31 Streckenabschnitte neu gebaut und zwei Linien von der BOGESTRA übernommen. Verbindungen bis in die Städte Gelsenkirchen und Mülheim an der Ruhr wurden gebaut.

Zwischen 1923 und 1925 kam es zur französischen besatzung, die einen weiteren Ausbau des Netzes verhinderte. Einzige Ausnahme war die am 8. Dezember 1924 eröffnete Linie 20 (?) zwischen Oberhausen, Essener Straße und Essen, Knappenstraße, die gemeinsam mit der STOAG eröffnet wurde. Anfang der 1930er Jahre waren es nun 18 Linien, die die SEG, teilweise sogar gemeinschaftlich mit drei anderen Verkehrsgesellschaften betrieb. Zwischen dem 15. April 1924 und dem 15. Februar 1928 gab es auch eine Linie der Bergischen Kleinbahn von Elberfeld (heute zu Wuppertal) über den eigenen Streckenendpunkt in Steele hinaus bis zum Steeler Tor.

Gegen 1940 war der bis dato bekannte Höhepunkt des Linienbetriebes, bei der die SEG insgesamt 26 Linien betrieb. Zwischen 1943 und 1944 gab es kriegsbedingte Einschränkungen, die dazu führten, dass manche Strecken mit Omnibussen betrieben werden mussten. Am 8. April 1945 jedoch wurde der gesamte Betrieb eingestellt.

Vom zweiten Weltkrieg bis zur Gründung des VRRBearbeiten

Ab 25. April 1945, unter Einbeziehung der britischen besatzung, wurde das Netz bis 1950 wieder in Stand gesetzt und es konnten wieder 20 Linien betrieben werden. Im Jahr 1954 kam das Ende der SEG und die Straßenbahn wurde von nun an durch die am 29. September 1954 gegründete Essener Verkehrs-AG (kurz: EVAG) übernommen. 1955 wurden einige Strecken stillgelegt, die nicht in die Innenstadt führten. Der rasche Ausbau von Schnellstraßen und der heutigen A40 veranlasste die EVAG, die Straßenbahn in diese Schnellstraßen zu integrieren. So entstanden zum Beispiel die mittlere Straßenbahnführungen ind er A40 zwischen Mülheim-Heißen und Essen-Holsterhausen oder die ehemalige Strecke zwischen Steeler Straße und Kray. Auch in den 1960er kam es zu Streckenstillegungen, die entweder ersatzlos entfielen oder durch Omnibusse ersetzt wurden. Dennoch hatte die EVAG im Jahr 1967 ihren Höhepunkt mit dem Betrieb von 27 Straßenbahnlinien. In den 1970er begann man mit dem Bau einer Stadtbahn, welche ab 1977 als U18 eröffnet wurde, allerdings vorerst zwischen Heißen Kirche und Essen Hbf. Der Abschnitt zwischen Heißen und Mülheimer Innenstadt wurde bis 1979 noch von den Linien 8 und 18 betrieben, bis auch dieser komplett durch die U18 bedient wurde. In den 1970er plante man gar, das Straßenbahnnetz komplett durch Stadtbahnlinien zu erstezen, was sich aber aufgrund der Kosten nicht durchsetzte und Bis Mitte der 1980er in nur drei Stadtbahnlinien resultierte. Am 1. Januar 1980 wurde der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr eingeführt der zum einen einen gemeinschaftlichen Tarif für diverse Städte und Gemeinden an Rhein und Ruhr zur Folge hatte und zum anderen eine Umstellung des Liniennummernsystems aller Linien, die im VRR verkehrten. So wurden die ein- und zweistelligen Liniennummern nun dreistellig und bekamen in Mülheim, Oberhausen und Essen ein vorangestelltes 1 (Ausnahme: Oberhausener Buslinien bekamen wie in Duisburg eine vorangestellte 9). Im Laufe der 1980er Jahre kam es zu einigen Streckenänderungen und in den 1990er wurden einige innerstädtische Abschnitte unter Tage verlegt.

AktuellBearbeiten

Aktuell besteht das Straßenbahnnetz aus acht Linien. Die Linie 104 ist die einzige Linie, die gemeinschaftlich mit der Mülheimer Verkehrsgesellschaft betrieben wird und zugleich als Essener Linie nicht die Essener Innenstadt bedient. In den 1990er wurde die damals nach Rellinghausen führende Linie bis zur Haltestelle Abzweig Aktienstraße im Stadtteil Schönebeck zurückgenommen. Am 14. Juni 2015 fand ein Fahrplanwechsel statt, der verschiedene Linien Grund legend änderte und mit der Linie 108 zudem eine neue Linie eingeführt wurde.

PlanungenBearbeiten

Es stehen oder standen folgende Planungen an:

  • Die Verlängerung der Linie 105 von Frintrop nach Oberhausen. Die damalige Strecke wurde vermutlich in den 1960er eingestellt und rückgebaut. Am 8. März 2015 fand in Oberhausen ein Ratsbürgerentscheid statt, der sich mit 57% aller Stimmen gegen eine Verlängerung nach Oberhausen entschied.[1] Somit wird diese Planung auf unabsehbare zeit zurückgestellt.
  • Die Linien 101 und 107 sollen nicht mehr nach Bredeney fahren und stattdessen eine Linie U12 eingeführt werden um den Straßenbahnpark komplett auf Niederflur unzustellen. Die Pläne wurden allerdings verworfen.
    • Eine weitere Planungsvariante ist, dass die Linien weiterhin nach Bredeney fahren können, dafür aber die Hochbahnsteige in Rüttenscheid zum Teil niederflurig ausgebaut werden, damit auch Niederflurwagen auf beiden Linien verkehren können.


LinienBearbeiten

Aktuelle LinienBearbeiten

Linie
Linienweg
Takt mo.-fr.
Takt sa.
Takt so.
101 Borbeck Germaniaplatz - Bergeborbeck Bf - Helenenstr. - Rathaus Essen - Essen Hbf - Rüttenscheid - Holsterhausen - Helenenstr. (Rückweg als 106!) 10 15 30/15
103 Dellwig Wertstr. – Borbeck – Altendorf – Rathaus Essen – Essen Hbf/Hollestr. (– Huttrop – Steele (S))1 10 15 30/15
104 MH-Hauptfriedhof – Stadtmitte – MH-Grenze Borbeck – E-Schönebeck Abzw. Aktienstr.2 10/20 15/30 30
105 Frintrop Unterstr. – Altendorf – Essen Hbf – Bergerhausen – Rellinghausen Finefraustr. (Naturlinie 105)[2][3][4] 10 15 30/15
106 Helenenstr. - Holsterhausen - Rüttenscheid - Essen Hbf – Rathaus Essen - Helenenstr. - Bergeborbeck Bf – Borbeck Germaniaplatz (Rückweg als 101) 10 15 15
107 Gelsenkirchen Hbf – Feldmark – E-Katernberg – Abzweig Katernberg – Zollverein – Stoppenberg – Rathaus Essen – Hollestr./Essen Hbf (– Rüttenscheid – Bredeney) (Kulturlinie 107)3/4 20/10/5 30/15 30/15
108 Bredeney - Rüttenscheid - Essen Hbf - Rathaus Essen - Altenessen Bf 10 15 15
109 Frohnhausen Breilsort – Berthold-Beitz-Boulevard – Rathaus Essen – Huttrop – Steele (S) 10 15 15

ehemalige LinienBearbeiten

Einzelnachweise und WeblinksBearbeiten

  1. Stadt Oberhausen: Ratsbürgerentscheid zur Linie 105
  2. Verkehrs-AG geht mit der Naturlinie 105 an den Start
  3. Website der Naturlinie 105
  4. [1]