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Die Straßenbahn Mönchengladbach-Rheydt war ein Straßenbahnnetz, dass das Stadtgebiet Mönchengladbach (ehemals eigenständige Städte München-Gladbach und Rheydt) bediente. Im Jahr 1928 hatte das Netz seine größte Ausdehnung und verband auch die Nachbarstädte Viersen und Willich.

GeschichteBearbeiten

Von der Pferdeahn zur elektrischen StraßenbahnBearbeiten

Im Juni 1876 wurde ein Gutachten erstellt, das die Eröffnung einer Pferdebahn erläutert. Die Beigeordneten der Städte Gladbach und Rheydt sowie des Landkreis Gladbach sagten dem zu. Gleich mehrere Firmen bewarben sich zur Errichtung der Pferdebahn, insbesondere der Berliner Bankier Ludwig Lübke, der sich 1880 darum bewarb. Nach langwierigen Verhandlungen mit Lübke, insbesondere der Länge der Konzession, fand am 10. Februar 1881 ein Beschluss zum Konzessionsvertrag statt. Am 17. Juni 1881 begann der Bau der Pferdebahn in Rheydt. Nach Beendigung auf Rheydter Stadtgebiet begann man in Gladbach mit dem Bau. Die erste Strecke nach Hermges, bis zum Bahnübergang der Reichsbahn, wurde im Juli fertiggestellt und es fanden erste Probefahrten statt. Am 28. Juli 1881 um 18.10 Uhr fuhr der erste Pferdebahnwagen von Gladbach-Hermges zur Rheydter Innenstadt. Nach Verzögerungen, unter anderem wegen Tarifstreitigkeiten beider Städte und dem Betreiber, wurde am 11. November 1881 die Verlängerung zur Gladbacher Innenstadt in der Dahlener Straße eröffnet und beide Innenstädte miteinander verbunden. Die Strecke war 5,2 km lang und die damalige Fahrzeit betrug 36 Minuten. Der Bankier Lübke starb im Jahr 189? und somit wurde die Konzession, nach jahrelangen Verhandlungen und Genehmigung der Stadtverordneten, im Jahr 1897 auf die Allgemeine Local- und Straßenbahngesellschaft in Berlin übertragen. Die Übernahme erfolge am 13. September 1897. Noch vor der Jahrhundertwende plante man die Elektrifizierung der Strecken und die Umstellung von pferdeahn auf elektrisch betriebene Straßenbahn. Die Pferdebahn wurde auf Normalspur betrieben. Insgesamt standen bis zum Ende des Pferdebahnbetriebs 18 Wagen und 49 Pferde zur Verfügung. Man begann im Juni 1899 die Umspurung von Normalspur auf Meterspur. Die Elektrifizierung wurde von Siemesn und Halske AG übernommen. Am 15. Februar 1900 wurde die erste elektrifizierte Strecke zwischen Gladbach, Kaiserbad und Rheydt-Mülfort eröfnet. 1901 wurden die Strecken immer weiter elektrifiziert und die Pferdebahn komplett abgelöst. Man versteigerte die 19 Pferdebahnwagen und nutzte das ehemalige Pferdeahndepot ab 1903 für die Straßenbahnwagen. Zur besseren Unterscheidung wurden die Strecken mit roten und grünen Signallampen versehen. Die roten Linien fuhren nach Eicken, die grünen Linien zum Gladbacher E-Werk. Zum 1. Oktober 1901 kündigte die Stadt München-Gladbach die gemeinsame Betriebsführung der Straßenbahn, dennoch fand weiterhin ein Gemeinschaftsbetrieb der Staedtischen Strassenbahn statt, welche allerdings in Sitzungen der Strassenbahnkommission geklärt wurden. Veränderungen der roten und grünen Linien erfolgten noch bis 1911, später kam eine blaue Linie zwischen Wickrathberg und Niersbrücke dazu welche durch eine gelbe Linie zwischen Bahnhof und Niersbrücke verdichtet wurde. 1907 entstand die heute sogenannte „Vierstädtebahn (VSB)“ da Strecken von Gladbach auch in die Gemeinden Dülken, Süchteln und Viersen führen sollten. Besonders die Strecke nach Dülken erwies sich als beliebter Ausflugverkehr weswegen die Strecke mit Beiwagen bedient wurden. Nach Beschluß durch den Rat der Stadt Rheydt fanden ab 1910 auch Gütertransporte auf den Straßenbahngleisen statt. 1912 wurden an den Bahnhöfen Mülfort und Geneicken (beide Stadt Rheydt) Übergabebahnhöfe in Betrieb genommen welche die Gütertransporte bedienten. Bei Beginn des Ersten Weltkrieges kam es zu erheblichen Einschränkungen beider Straßenbahnbetrieben.

Zwischen den WeltkriegenBearbeiten

Während und nach dem Ersten Weltkrieg gewann der Güterverkehr in München-Gladbach an Bedeutung und es wurden einige Nebenstrecken, wie etwa ein Gleisanschluß am Güterbahnhof Speick (bis 1907 auch Personenbahnhof) und ein Abweichgleis von der Crefelder Straße zur Bachstraße (heute Breitenbachstraße). Der Gütertransport beinhaltete auch den Transport von Lebensmitteln, größenteils Kartoffeln. Nach Ende des Ersten Weltkrieges kam es zur Besatzung belgischer Alliierten. Aufgrund der Reparationsbestimmungen im Versailler Vertrag musste Deutschland an die Siegermächte Kohlen liefern was sich in einen Kohlemangel für München-Gladbach auswirkte. Somit wurde 1919 eine Strecke nach Krefeld eröffnent, die zuerst für den kohletransport vorgesehen war, zum 13. Juni 1919 allerdings auch für den Personenverkehr freigegeben und als Linie 14 eingeführt wurde. Allerdings war diese Gemeinschaftslinie zuvor nicht durchgehend da die Staatsbahn das Passieren der Gleise in Schiefbahn nicht genehmigte und somit das Umsteigen in die Wagen der Crefelder Straßenbahn AG erforderte. In den 1920er Jahren nahm die Zahl der Fahrgäste ab, dafür stieg der Gütertransport, insbesondere der Kohletransport von der Zeche Rheinpreußen in Moers über das Crefelder Straßenbahnnetz nach München-Gladbach. Am 4. März 1923 konnte die Linie 14 endlich durchgehend bedient werden, allerdings untersagte die Staatsbahn am 20. Oktober wieder das Überqueren der Gleise in Schiefbahn für Personenbeförderung. So entstand wieder eine Umsteigesituation und das vorläufige Ende des Gemeinschaftverkehrs. Am 9. Februar 1926 konnte der Gemeinschaftsverkehr wieder aufgenommen und die Gleise der Reichsbahn wieder überquert werden. Bis März 1929 schaffte man modernes Wagenmaterial (u.a. durch Talbot in Aachen) an und baute Wagen der Baujahre 1903 bis 1909 um. Am 1. August 1929 wurde die Stadt Rheydt gegen ihren Willen nach München-Gladbach eingemeindet und der Straßenbahnbetrieb hieß seitdem Städtische Strassenbahn Gladbach-Rheydt. Am 1. August 1933 wurden beide Städte wieder getrennt und es ga wieder zwei Straßenbahnämter. Durch fehlende Unabhängigkeit der Stadt Rheydt war man auf de Stadt Gladbach angewiesen da denen u.a. das Rcht auf neue Wagenlieferungen oblag. Eine „vermögensrechtliche Auseinandersetzung“ beider Städte resultierte in Gladbacher Wagenabgaben für Rheydt. Auch wurden Gebrauchtwagen aus Essen angeschafft. Am 20. Januar 1935 wurde der Gemeinschaftsverkehr nach Krefeld durch die Stadt Krefeld aufgehoben und die Linie 14 verkehrte nur noch nach Schiefbahn zur neuen Endstelle Deuss & Oetker. Nach neuen Verhandlungen wurde der Gemeinschaftsverkehr im Dezember 1935 wieder aufgenommen. 1940 wurden 35 Wagen witterungsbedingt abgestellt und sechs Trie- und sechs Beiwagen mit elektrischer Ausrüstung von Siemes-Schuckert bestellt.

Nach dem zweiten WeltkriegBearbeiten

Am 31. August 1943 gab es schwere Bombenangriffe auf beide Städte. 11 Straßenbahnwagen, 30 Beiwagen und starke Beschädigungen am Fahrleitungsnetz waren die Folge. Dadurch konnte nur der Betrieb am Stadtrand durchgeführt werden. Am 29. September 1943 konnten nach aufwendigen Reparaturen wieder ein normaler Straßenbahnbetrieb hergestellt werden. Auch nach Bombenangriffen im März 1944 konnte das Netz wieder notdürftig Instand gestezt werden. Erst nach mehreren Großangriffen im Oktober 1944 musste der Betrieb eingestellt werden. Im April 1945 konnte man mit den Wiederaufbau beginnen. Am 7. August 1945 konnte die Strecke zwischen Lürrip und E-Werk wieder bedient werden. Im Laufe des Sommers und Herbst 1945 konnten wieder einige Linien wieder errichtet werden. In den 1950er fanden Modernisierungen im Wagenpark statt (Kauf neuer Fahrzeuge von Westwaggon und Talbot sowie die Umspurung von Regel- auf Meterspur). Die Entwicklung der Straßenbahn beider Städte konnte nicht unterschiedlicher ausfallen. Während Mönchengladbach sein Straßenbahnnetz wieder aufbaute, bahnte sich in Rheydt das vorzeitige Ende der Straßenbahn und der Aufbau eines Obusnetzes an. 1952 und 1953 wurden Rheydter Tramlinien auf Obus umgestellt, die Linie 1 nach Odenkirchen wurde am 1. Januar 1959 auf Omnibusbetrieb umgstellt. Zu diesem Zeitpunkt existierten nur noch sieben Straßenbahnlinien von denen drei Linien auf Rheydter Gebiet fiuhren. Die Städte Rheydt und Mönchengladbach vereinbarten nach langen Verhandlungen, dass die Straßenbahn noch zehn Jahre auf Rheydter gebiet fahren darf. Die Stadtwerke Mönchengladbach war allein verantwortlich für den Betrieb geworden. In den 1960er wurde der Güterverkehr komplett an die Bundesbahn abgegeben und nur noch Straßenbahn- und Busverkehr betrieben. Neben Neuanschaffung im jahr 1958 kam es auch zum Ende der VSB GmbH am 1. Januar 1959. Die Umstellung zur GmbH im Jahr 1955 brachte finanzielle Verluste, die bis zur endgültigen Firmenlöschung nicht kompensiert werden konnte. In den 1960er begann das komplette Sterben der Straßenbahn. Die restlichen sieben Linien wurden nach und nach auf Omnibus umgestellt. Ab 5. Oktober 1968 verblieb nur noch die 7,8 km lange Linie 7 zwischen Holt und Lürrip. Deren Ende folgte am 15. März 1969. Neben den letzten Kursen mit DÜWAG GT6 wurde der Abschied auch durch geschmückte Aufbautriebwagen durchgeführt, die passenderweise als Zielort Friedhof eingeschildert hatten. Die Gelenkwagen wurden an die Vestische Straßenbahn im Kreis Recklinghausen und ins französische Lille verkauft und geliefert.

LinienchronikBearbeiten

in Arbeit